Die neue Remote Work Regelung von Airbnb – Was können sich andere Unternehmen davon abschauen?

Remote Work ist da, um zu bleiben: Das hat auch Brian Chesky, CEO und Mitgründer von Airbnb, erkannt. Am Donnerstag hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass Mitarbeitende nun frei entscheiden können, ob sie daheim oder vom Büro aus arbeiten wollen. Somit zieht Airbnb mit anderen großen Firmen in der Remote Work Debatte gleich und tut einen wichtigen Schritt in Richtung zunehmender Freiheiten für Mitarbeiter*innen. Aber was sind die Gründe dafür, dass immer mehr Unternehmen diese drastischen Veränderungen vornehmen?  

Warum diese Veränderung?

Airbnb ist einer der führenden Unternehmen in der Hotel- und Tourismusindustrie, und wurde in den vergangenen zwei Jahren besonders hart getroffen. Das Unternehmen konnten es allerdings schaffen, sich von der Pandemie zu erholen und noch stärker zurückzukommen als zuvor. Im Dezember 2021 konnte die Firma ihren Erlös im Vergleich zu vergangenen Jahren um 25% steigern. Und all das nur, weil Angestellte auf der ganzen Welt ihre Telearbeit von Airbnbs aus angetreten haben. 

Da ortsunabhängiges Arbeiten der Antrieb für den Erfolg der Firma war, hat sich Brian Chesky’s Einstellung gegenüber dem Homeoffice und Remote Work grundlegend verändert. Die Erfahrungen von Airbnb deckt sich mit denen vieler anderer Unternehmen: Die Produktivität und Leistung der Mitarbeitenden stiegen mit Remote Work stetig an. 

Chesky ist sich also sicher, dass Remote Work die Zukunft seines Unternehmens und der Arbeitswelt sein wird. Obwohl sich schon zahlreiche Unternehmen vor Airbnb dazu entschlossen haben, Remote Work als Standard festzulegen, haben die neuen Regelungen von Chesky trotzdem einige Eigenheiten. Sie sind geprägt von den Erfahrungen aus den Pandemiejahren. Da das Unternehmen an diesen Erfahrungen ganz klar gewachsen ist, können die neuen Prinzipien von Airbnb auch als Anstoß für andere Unternehmen dienen. 

Airbnb hat sich fünf zentralen Prinzipien angenommen, die den Grundstein der neuen Regelungen bilden:  

  1. Mitarbeiter*innen können von dort aus arbeiten, wo sie wollen. Die tägliche Entscheidung zwischen Büro und Homeoffice ist ihnen also selbst überlassen.
  2. Es ist von nun an möglich, innerhalb des Landes, in dem gearbeitet wird, problemlos umzuziehen. Die Entlohnung ändert sich dadurch nicht. 
  3. Digitale Nomaden aufgepasst! Mitarbeitende haben jetzt die Möglichkeit für bis zu 90 Tage im Jahr zu reisen, und das innerhalb 170 Ländern.
  4. Firmeninterne Versammlungen werden durch die Remote Work Regelung häufiger sein und über einen längeren Zeitraum hinweg andauern. Chesky kündigte an, dass die Tagungen vermutlich jedes Quartal stattfinden werden und bis zu einer Woche lang dauern können.
  5. Damit diese Regelungen auch erfolgreich in die Tat umgesetzt werden können, wird das Unternehmen so koordiniert wie möglich arbeiten. Das Unternehmen wird sich auf zwei große Produktveröffentlichungen pro Jahr fokussieren.

Mehr Flexibilität

Wie oben bereits angesprochen, ist einer der wichtigsten Faktoren dafür, dass Airbnb die Pandemie so gut überstanden hat, Remote Work. Flexible Arbeitszeiten ermöglichen es vielen Leuten, mehr zu reisen, auch während der Arbeitszeit. Es ist normal geworden dort zu arbeiten, wo man eben gerade ist. Und wo würde sich das besser eignen als von einem Airbnb aus? Zum einen als Arbeitsplatz, oder einfach um Freunden und Familie nahe zu sein.

Im Fall von Airbnb, müssen einige wenige trotzdem noch ins Büro, um ihre Rollen erfolgreich auszuüben. Nicht jede Position kann durch Remote Work zufriedenstellend ausgeübt werden. Ein Ansatz, mit dem sich viele Unternehmen identifizieren können. Remote Work wird oft als Allheilmittel für überholte Business-Modelle gesehen. Dabei wird allerdings vergessen, dass Telearbeit nicht für jedes Unternehmen und jede Person geeignet oder möglich ist. Auch über die Einführung von Remote Work sollte also immer genau nachgedacht werden. 

Entscheidungsfreiheit über den Wohnort

Mitarbeiter*innen bei Airbnb können nun innerhalb des Landes, in dem sie arbeiten, umziehen, wo auch immer sie wollen. Und das bei gleichbleibender Entlohnung. Was für manche vielleicht unverständlich ist, ist in vielen Unternehmen in den USA gang und gäbe: Je weiter man von der Stadt wegzieht, umso mehr wird das Gehalt verringert. Airbnb distanziert sich von diesen Normen. 

In einer Zeit, die von Inflation geprägt ist und Erhaltungskosten in die Höhe schnellen, vor allem in und um Großstädte, ist diese neue Regelung mehr als wertvoll für Mitarbeitende. Wenn sie sich dafür entscheiden, die Stadt zu verlassen und ans Land zu ziehen, werden die verminderten Erhaltungskosten ihren Lohn nicht beeinflussen. 

Chesky zufolge ist der internationale Umzug etwas komplizierter zu handhaben und kann daher aktuell noch nicht unterstützt werden. Seinem optimistischen Ton zufolge könnte das in der Zukunft allerdings noch möglich werden. 

Es wird immer schwieriger, geeignetes Personal am Arbeitsmarkt zu finden, das weiß auch Brian Chesky. In seiner Ankündigung spricht er an, dass es für das Unternehmen limitierend wäre, nur Angestellte innerhalb des Büroradius zu suchen. Ihm zufolge wohnt das beste Personal auf der ganzen Welt verteilt und beschränkt sich nicht nur auf bestimmte Orte. Das bietet nicht nur Vorteile für Unternehmen, sondern auch für wertvolle Arbeitskräfte, die örtlich und zeitlich gebunden sind. Betreuungspersonen und Menschen mit Beeinträchtigungen können ihre Stärken im Remote Work Modell so gekonnt einbringen. 

Da arbeiten, wo andere Urlaub machen

Reisen ist während der letzten zwei Jahre stark in den Hintergrund getreten. Jetzt, wo es wieder möglich ist, sind vor allem angestrengte Angestellte wieder im Reisefieber. Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt hat die Ortsabhängigkeit stark abgenommen. 

Chesky hat selbst vor, im Zuge der nächsten Monate in Airbnbs unterzukommen, um bequem von Stadt zu Stadt zu hüpfen. Ein Trend, der seinen Voraussagen zufolge in Zukunft immer stärker zunehmen wird und von dem das Unternehmen natürlich stark profitieren kann. Dieses Phänomen kann sich auf den Lifestyle der digitalen Nomaden zurückführen lassen. Dieser ist als Konsequenz der Pandemie sehr beliebt geworden. Digitale Nomaden haben oft keinen festen Wohnsitz, sondern reisen von Ort zu Ort, während sie remote arbeiten. Vor allem für jüngere Generationen ist die Option während der Arbeit zu reisen mehr als wertvoll. 

Chesky macht einen wichtigen Schritt für digitalen Nomaden innerhalb seines Unternehmens: Ab September können sie in über 170 Ländern arbeiten und leben, und das bis zu 90 Tage pro Jahr. Eine fixe Adresse braucht aktuell allerdings noch jeder, um Steuern und Lohnabrechnungen einfacher zu machen. Um das möglich zu machen, will sich Airbnb mit einheimischen Regierungen der jeweiligen Länder zusammentun und an praktischen Lösungen arbeiten. 

Das eigene Angebot aus erster Hand zu testen, kann ein weiterer Vorteil für Airbnb sein. Viele Unterkünfte sind womöglich gar nicht geeignet oder ausgerüstet für die neue Welle an remote Arbeitskräften. Wenn Mitarbeitende diese Orte besuchen, kann das ganze Angebot von Airbnb verbessert werden. 

Es passt natürlich ins Bild, dass DAS Unternehmen der Reisebranche seine Mitarbeitenden dazu anspornt, selbst zu reisen. Die Erfahrung in Airbnbs zu leben, die Welt zu sehen und den Geist des Unternehmens am eigenen Leibe zu erfahren, wird Mitarbeitende zunehmend an die Firma binden. Diese Art der Flexibilität ist für jedes Unternehmen ein Vorteil, um die Loyalität der Mitarbeiter*innen zu gewährleisten. 

Die Unternehmenskultur pflegen

Eine weitere drastische Änderung innerhalb Airbnb ist, dass die Unternehmenszusammenkünfte in Zukunft häufiger und länger werden. Was auf den ersten Blick übertrieben und unpraktisch wirkt, zeigt, dass Airbnb die Schaffung und Erhaltung einer Unternehmenskultur wichtig ist. Chesky ist überzeugt davon, dass menschliche Beziehungen den Grundstein für eine gute Zusammenarbeit bilden, und will diese somit fördern. 

Da zu Beginn der Pandemie ein Großteil der Arbeitskräfte von Airbnb gekürzt werden musste, scheint es so als würde das Unternehmen die bestehenden umso mehr schätzen. Chesky sagte außerdem, dass er vergangene Mitarbeiter*innen gerne wieder im Unternehmen begrüßen würde, dies allerdings jetzt ein zu unüberlegtes Handeln wäre. Eine Erfahrung, der viele andere Unternehmen nachfühlen können. Mitarbeitende sollten stets das wertvollste Gut eines Unternehmens sein und sich geschätzt fühlen. Mitarbeiter*innen, die sich unsicher in ihrer Position und Aufgaben fühlen, entwickeln womöglich auch eine schwindende Verbindung zum Unternehmen.  

Koordination als Schlüssel

Wenn Mitarbeiter*innen an verschiedenen Orten und in verschiedenen Zeitmodellen interagieren, muss Koordination an erster Stelle stehen, um Effizienz zu gewährleisten. Arbeitnehmer*innen müssen ihren Mitarbeitenden daher viel Vertrauen entgegenbringen. Es ist mühsam, ständig über die Schultern der Arbeitnehmer*innen zu schauen, und schränkt Produktivität und Zusammenarbeit ein. 

Zusätzlich zur Koordination sollte auch die Zielsetzung passen. Mitarbeiter*innen brauchen klare, gemeinsame Ziele, die sie erreichen wollen. Chesky hat sich für Airbnb als Ziel gesetzt, zwei große Projekte pro Jahr in die Tat umzusetzen. Sie sollen als Ausgangspunkt für alles dienen, was innerhalb des Unternehmens geplant und bearbeitet wird.  

Die Zukunft der Arbeitswelt mitbestimmen

Was Airbnb mit diesen neuen Regelungen bestärkt, bildet den Grundstein eines jeden erfolgreichen Unternehmens: Vertrauen in die Mitarbeitenden. Denn am Ende des Tages ist es die harte Arbeit und die täglichen Erfolge von Arbeitnehmer*innen, die dabei helfen, das Unternehmen über Wasser zu halten. Flexibilität ist hierfür eine würdige Belohnung und kann als Vorbild für zahlreiche Unternehmen gelten. 

Im Jahr 2020 sagte Chesky, dass Airbnb viel darüber nachdenke, welche Art von Unternehmen es sein möchte. Rückblickend ist das nun klar geworden: eines mit modernen Ansichten und einem Interesse an Flexibilität für Mitarbeitende. In seiner Ankündigung sagt Chesky, dass diese Vorgehensweisen seiner Meinung nach die Zukunft der Arbeitswelt stark beeinflussen werden. Damit positioniert er Airbnb als Pionier auf dem Gebiet.

Auch wenn die besprochenen Punkte ein wichtiger Schritt sind, darf nicht vergessen werden, dass sie nicht nur eine noble Geste von Airbnb sind. Die Konkurrenz um fähige Arbeitnehmer*innen am Arbeitsmarkt ist groß, und Airbnb lockt mit seinen Regelungen die besten der besten an. Es wird für die meisten Unternehmen ein Pluspunkt sein, den Fokus immer mehr auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen zu setzen. Vor allem für diejenigen, die Probleme haben, neue Talente anzuheuern.