Angst vor Krieg: Was Arbeitgeber dagegen tun können

Angst vor Krieg: Was Arbeitgeber dagegen tun können

Zuerst Corona und nun Kriegsängste. Zwar betrifft die Ukraine-Krise in erster Linie die Ukrainer*innen, aber auch hierzulande lösen die Bilder eine Angstwelle aus und nehmen Einfluss auf die Arbeit und die Produktivität. Wer kann sich schon konzentrieren, wenn der Dritte Weltkrieg droht? Laut aktueller Umfrage von NTV haben 69% der Befragten diese Angst. Wie Unternehmen und Führungskräfte mit der Situation umgehen sollten, kannst du in unserem Artikel nachlesen.

Was muss man über Kriegsangst wissen?

„Krieg in Europa.“ Diese Hiobsbotschaft am 24. Februar 2022 mit Bildern von Panzern und zerbombten Wohnhäusern hat uns aus dem – gerade wiedergewonnenen – Gleichgewicht geworfen. Wenn Wladimir Putin Atomwaffen andeutet und wüste Drohungen ausspricht, vermischt sich Wut und Angst in unserer Bauchhöhle zu einem brennenden Molotowcocktail.

Die meisten unter uns haben noch nie einen Krieg erlebt. Die Angst vor dem Krieg jedoch schon. Zum Beispiel, wenn Großeltern vom Krieg erzählen oder wir in Reportagen Kriegsszenen sehen und unser Empathievermögen die Gefühle der Beteiligten nachempfinden lassen, dann erleben und fühlen wir eine Kriegsangst. Mit den aktuellen Bildern aus der Ukraine werden diese Gefühle reaktiviert und je nach Beurteilung der Bedrohungslage und Kontrollierbarkeit im Unterbewusstsein als reale Gefahr interpretiert. Geschieht dies, wird unser gesamte Körper mit dem oben erwähnten Cocktail an Hormonen auf ein Kampf- oder Fluchtverhalten vorbereitet. Ein grausames Gefühl, das gerade viele – vermeintlich unbeteiligte Menschen – mitten im Wohnzimmer vor laufendem Fernseher durchleben.

Dabei hat uns diese Angstreaktion vielleicht schon einmal das Leben gerettet, weil wir damit schnell und entschlossen handeln konnten. Deswegen speichert unser Gehirn eine durchlebte Angstreaktion für die Zukunft ab, um sie so noch schneller abrufbereit zu haben. Bei Menschen mit Angststörungen entsteht eine Art Angstgedächtnis, das schon bei geringsten Umweltreizen den Angstalarm auslöst.

Jetzt können Führungskräfte Fingerspitzengefühl beweisen

Führungskräfte sind keine Therapeut*innen. Ungebeten in Gefühlen zu wühlen ist übergriffig und eine klare Überschreitung persönlicher Grenzen. Trotzdem sollte niemand mit negativen Gefühlen am Arbeitsplatz alleingelassen werden – egal, ob deren Ursprung arbeitsrelevant ist oder nicht. Immerhin wirken sich solche negativen Gedanken auf die Arbeitsleistung aus.

Führungskräfte dürfen den stillen Alarm nicht übersehen und sollten aktiv werden, bevor die Krankenstände steigen und die Produktivität sinkt. Vielleicht hast du die ersten Anzeichen dafür bereits selbst im Alltag erlebt: „Doomscrolling“ oder „Doomsurfing“ bedeutet, dass man übermäßig viel Zeit am Bildschirm verbringt, um negative Nachrichten zu verfolgen. Dabei erhält man oft keine neuen Informationen, sondern wird von denselben Inhalten wieder und wieder bespielt. Rodolfo Mendoza-Denton, Psychologieprofessor an der UC Berkeley, sieht Doomscrolling im Wesentlichen als einen Bewältigungsmechanismus. Mit Doomscrolling will man Kontrolle über eine Situation erlangen, indem man möglichst viele Informationen sammelt. Wenn die Informationen jedoch nicht in Aktionen umgewandelt werden, hilft Doomscrolling nicht wirklich bei der Angstbewältigung, sondern lässt die betroffene Person in den negativen Nachrichten versinken und die Angst stetig anwachsen.

Die gesamte Belegschaft trägt Verantwortung über das Wohlbefinden einer jeden einzelnen Person. Es liegt also nicht nur an den Führungskräften. Jeder Mensch kann wunderbare Aktionen initiieren und damit diese Verantwortung wahrnehmen.


7 Tipps, um die Widerstandsfähigkeit vor Kriegsangst zu stärken

Wichtig ist, dass das Thema niemandem aufgedrängt wird. Viele fühlen sich am Arbeitsplatz sicher und abgeschottet vor den Kriegsängsten. Diese Möglichkeit zu bewahren, sollte keiner Person genommen werden. In der Regel hat man selbst ein gutes Gespür dafür, wann man darüber reden beziehungsweise auch aktiv Handlungen setzen will. Neben der einfachen Einladung zum Gespräch bietet die Resilienzforschung sechs weitere Ansätze, die in diesem Zusammenhang sehr hilfreich sind.

1. Offene Tür für ein Einzelgespräch

Biete dich beim nächsten Teammeeting als Gesprächspartner*in an. „Mich beschäftigt der Krieg aktuell sehr. Wenn jemand auch darüber reden will, freue ich mich auf einen Pausentratsch in der Kaffeeküche.“ zum Beispiel. Wer dafür lieber professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen möchte, kann bei Instahelp individuelle Online-Beratung mit Psycholog*innen buchen.

2. Die Situation annehmen

Allein oder in der Gruppe könnt ihr versuchen, die Tatsachen von Ängsten aufzutrennen. Das hilft zu verinnerlichen, was nicht verändert werden kann und was sich noch nicht verändert hat. Der lokal geführte Krieg ist eine vorübergehende Phase in der Ukraine und strahlt derzeit keine Lebensbedrohung für Menschen außerhalb der Ukraine aus.

3. Einen gesunden Optimismus ausstrahlen

Das funktioniert nur, wenn man selbst zuversichtlich ist. Insbesondere bei den Auswirkungen auf das Unternehmen kannst du dir bewusst machen, welche Krisen das Unternehmen in der Vergangenheit bereits gemeistert hat. Und zum dritten Weltkrieg: Niemand, auch nicht Wladimir Putin, will einen solchen.

4. Die Opferrolle verlassen und aktiv werden

Wir neigen dazu, die Schuld und damit die Verantwortung an Dritte abzugeben. Doch was hilft es uns in der aktuellen Situation, wenn Putin daran Schuld trägt? Durch aktives Handeln verlässt man die Opferrolle und übernimmt Verantwortung über die eigenen Gefühle. Dabei helfen bereits einfache Dinge, wie zu spenden oder an einer Demonstration teilzunehmen.

5. Workshop zu achtsamer Selbstführung und Resilienz buchen

Das Leben so zu nehmen, wie es ist, und Verantwortung über unsere Gefühle zu nehmen, ist ein ständiger Lernprozess. Je öfter wir es schaffen, desto widerstandsfähiger und glücklicher werden wir. Dieser Lernprozess kann mit gezielten Workshops gefördert werden – virtuell oder in Präsenz. Der Schwerpunkt sollte dabei auf der Vermittlung praktischer Instrumente zur Entwicklung individueller und kollektiver Resilienz liegen. Bei unserem Workshop „Resilienz: Widerstandsfähigkeit stärken“ gehen wir auf die Ängste rund um den Ukraine-Konflikt ein und erarbeiten gemeinsam Lösungen dafür. Damit erfahren die Teilnehmer*innen Selbstbefähigung und entwickeln Begeisterung für den Resilienz-Ansatz.

6. Die Gemeinschaft und Beziehungen spüren

Ein starkes Gemeinschaftsgefühl wirkt bei Angst tatsächlich wie ein Schutzschild. Gerade in Zeiten wie diesen ist das Wir-Gefühl und eine intakte Teamkultur wichtiger denn je. Wir sind nämlich nicht allein! Doch auch dieser Schutzschild muss kontinuierlich gepflegt und repariert werden, was in den letzten zwei Jahren pandemiebedingt vielerorts leider vernachlässigt wurde. Hier findest du Ideen für Teamevents in Präsenz sowie Online-Teambuildings.

7. Psychischen Stress physisch abbauen

Sport, Meditation und Spaziergänge helfen dabei den Hormoncocktail der Angst schneller abzubauen. Dadurch werden Endorphine freigesetzt, die das Wohlbefinden steigern und für eine positive Einstellung sorgen.

Bemerkenswerter Zusammenhalt

In einem Krieg verlieren alle. Die Auswirkungen spüren wir an der Tankstelle sowie auch bei der „Gute Nacht“-Routine mit den Kindern. Wichtig ist, dass man eine bewusste Unterscheidung zwischen Gefühlen, Werten und tatsächlichen Geschehnissen vornimmt.

Wer die Situation mit Optimismus meistern will, kann rund um den Globus eine beispiellose Einigkeit zu gemeinsamen Werten wahrnehmen und sich über den bemerkenswerten Zusammenhalt unzähliger Staaten erfreuen. Wir verteidigen unsere Werte mit schmerzhaften Sanktionen, beteiligen uns an Demonstrationen und helfen mit großzügigen Spenden. Wer an das Gute glauben will, sieht eine Veränderung im Umgang mit geopolitischen Problemen – behalten wir uns das bei!