Ein Vertriebsprozess ist die Abfolge von Phasen, die ein Deal durchläuft, mit einer ausdrücklichen Bedingung für den Eintritt in jede einzelne. Diese zweite Satzhälfte trennt einen Prozess von einer Namenskonvention: Wenn ein Deal in „Verhandlung“ sein kann, weil es sich nach Verhandlung anfühlt, hast du Phasenetiketten, keinen Prozess.

Das tiefere Problem ist, wessen Prozess da beschrieben wird. Die meisten dokumentierten Prozesse listen auf, was das Vertriebsteam tut, in der Reihenfolge, in der es das tut. B2B-Käufe treffen aber Gruppen, keine Einzelpersonen, und diese Gruppen haben ihre eigene Abfolge mit eigenen Vetopunkten. Die HBR-Arbeit zum Konsensverkauf zeigt, dass einzelne Entscheider selten geworden sind, und The New B2B Sales Imperative, dass Kaufende meist beim eigenen internen Fortschritt feststecken, nicht bei der Wahl des Anbieters.

Die brauchbare Version dieser Übung lautet also nicht „was tun wir als Nächstes“. Sie lautet „was muss auf deren Seite wahr werden, damit sich das bewegt“, und so sind die Phasen unten geschrieben.

7Phasen, jede mit einer Eintrittsbedingung
2Übergaben, an denen die meisten Deals sterben
1Frage je Phase: was hat sich bei denen geändert
0Phasen dürfen aus einem Gefühl heraus betreten werden

Die sieben Phasen, von der Kaufseite geschrieben

PhaseEintrittsbedingung, auf deren SeiteDer Fehler hier
1 Problem anerkanntJemand intern hat das Problem laut benanntInteresse als Anerkennung zählen
2 Budget plausibelAuf Kundenseite lässt sich ungefähr sagen, was es kosten darf, ohne nach oben zu fragenNach Budget fragen, statt zu prüfen, ob eines existiert
3 Anforderungen geschriebenDie Anforderungen stehen in einem Dokument, das sie geschrieben haben, nicht ihrDie Anforderungen für sie schreiben und das Qualifizierung nennen
4 Kaufgruppe sichtbarDu kannst alle mit Vetorecht benennen, auch Einkauf und ITMit einer Fürsprecherin sprechen und das für die Gruppe halten
5 Interne Begründung gebautDeine Fürsprecherin hat Material, das sie ohne dich vortragen kannEin Angebot schicken statt einer Begründung, die sie weiterverwenden können
6 Einwände aufgetauchtDer stille Skeptiker hat seinen Einwand in einem Termin gesagtSchweigen für Zustimmung halten
7 Entscheidung terminiertEs gibt ein Datum und eine benannte Person, die entscheidetEin vom Vertrieb erfundenes Forecast-Datum, das niemand dort zugesagt hat

Phase 4 entscheidet still das Quartal. Ein Deal mit einem begeisterten Kontakt und ohne sichtbare Kaufgruppe ist nicht spät, sondern früh mit guten Manieren, und die häufigste Quelle von Forecast-Fehlern.

Warum Phasendefinitionen verfallen

Jeder Vertriebsprozess ist am Tag seiner Entstehung präzise und binnen zwei Quartalen unscharf. Der Mechanismus ist einfach: Ein Deal steht an einer Phasengrenze, jemand schiebt ihn trotzdem weiter, weil die Pipeline gesund aussehen soll, niemand widerspricht, und die Grenze ist damit für alle verschoben.

Die Antwort ist nicht mehr Disziplin. Sie besteht darin, die Bedingung für jemand anderen als die dealführende Person prüfbar zu machen. Wenn Phase 4 verlangt, alle mit Vetorecht zu benennen, dann ist das CRM-Feld eine Namensliste und kein Häkchen, und eine leere Liste fällt in einem Bericht auf, ohne dass jemand eine Kollegin infrage stellen muss.

Der zweite Verfallsweg: Der Prozess wurde aus einer Vorlage kopiert, die von einem anderen Verkauf ausging. Ein Sieben-Phasen-Prozess auf einem zweiwöchigen Transaktionsverkauf ist Bürokratie; ein Drei-Phasen-Prozess auf einem achtzehnmonatigen Enterprise-Verkauf verdeckt alles Wesentliche. The End of Solution Sales lohnt genau deshalb, weil es zeigt, wie sich die Kaufseite unter Prozessen verändert hat, die sich nicht mitveränderten.

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Die zwei Übergaben, an denen Deals sterben

Den Prozess einführen oder reparieren

1

Die letzten zehn abgeschlossenen Deals rekonstruieren

Gewonnene und verlorene. Was tatsächlich passiert ist, in der Reihenfolge, in der es passierte, auf Kundenseite. Das ist das Rohmaterial; ein Prozess, der ohne das im Workshop entsteht, beschreibt ein erfundenes Unternehmen.

2

Eintrittsbedingungen schreiben, keine Phasennamen

Jede Bedingung muss von jemandem prüfbar sein, der nicht im Termin war. „Kunde ist interessiert“ fällt durch; „Kunde hat uns seine schriftlichen Anforderungen geschickt“ besteht.

3

Jede Phase streichen, die nie einen Deal abgelehnt hat

Wenn an einer Phase nie ein Deal aufgehalten wurde, filtert sie nichts und kostet nur Datenpflege.

4

Die Kaufgruppe als Namen ins CRM

Ein Feld mit einer Liste, kein Häkchen. Leere Listen fallen dann im Bericht auf, und niemand muss eine Kollegin persönlich infrage stellen.

5

Die Definitionen quartalsweise prüfen, in dreißig Minuten

Eine Frage: Haben wir etwas über eine Grenze geschoben, die es nicht erfüllt hat? Die ehrliche Antwort hält den Prozess am Leben; nicht zu fragen bringt ihn um.

Der Prozess ist eines von vier Dingen, die darüber entscheiden, ob eine Vertriebsorganisation funktioniert; die anderen sind die Struktur, die Zahlen, nach denen gesteuert wird, und der Anreiz. Die haben wir getrennt behandelt: Vertriebsteam aufbauen, Vertriebskennzahlen und Provisionsmodelle, und die Diagnoseebene darüber in Vertriebsanalyse-Methoden. Wenn das akute Problem eher das Füllen oben als das Wandeln in der Mitte ist, ist Neukundengewinnung im B2B der bessere Einstieg.

Du hast einen Prozess, wenn

  • jemand außerhalb des Deals jede Phase prüfen kann

  • im letzten Quartal ein Deal an einer Grenze aufgehalten wurde

  • die Kaufgruppe als Namen im CRM steht

  • Forecast-Termine von der Kundenseite kommen, nicht vom Vertrieb

Du hast Phasenetiketten, wenn

  • Phasen betreten werden, weil sich ein Deal fortgeschritten anfühlt

  • alle Deals der Pipeline in denselben zwei Phasen stehen

  • „qualifiziert“ in Marketing und Vertrieb Verschiedenes heißt

  • seit zwei Jahren niemand eine Phasendefinition geändert hat

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Die Kurzfassung

• Ein Prozess sind Phasen plus eine Eintrittsbedingung je Phase. Ohne die Bedingungen hast du Etiketten.
• Schreib die Bedingungen von der Kaufseite: was bei denen wahr werden muss, nicht was ihr als Nächstes tut.
• Phase 4, alle mit Vetorecht benennen, ist der Ort, an dem Forecast-Fehler entstehen.
• Jede Bedingung muss von jemandem prüfbar sein, der nicht im Termin war.
• Streich jede Phase, die nie einen Deal aufgehalten hat. Sie filtert nichts und kostet Datenpflege.
• Zwei Übergaben töten Deals: Marketing an Vertrieb, wo „qualifiziert“ zweierlei heißt, und Vertrieb an Umsetzung, was sich im sechsten Monat als Abwanderung zeigt.
• Die dritte Übergabe passiert in der Kaufgruppe, ohne dich im Raum. Genau dafür gibt es Phase 5.