Microsoft Copilot ist für deine Prompts und Antworten DSGVO-konform und für seine Websuche nicht. Diese Trennung ist die ganze Antwort, und Microsoft schreibt beide Hälften selbst. Prompts, Antworten und die dahinterliegenden Microsoft-Graph-Daten deckt der Microsoft Products and Services Data Protection Addendum ab, Microsoft ist dein Auftragsverarbeiter, und nichts davon trainiert Basismodelle. Sobald Copilot etwas im Web nachschlägt, gilt ein anderes Regelwerk: der AVV deckt diese Suchanfragen nicht, die EU Data Boundary gilt für sie nicht, und Microsoft ist nicht mehr Auftragsverarbeiter, sondern eigener Verantwortlicher.

Und die Websuche ist an, solange sie niemand abgeschaltet hat.

6Copilot-Varianten mit unterschiedlichem Datenschutz
0AVV-Deckung für generierte Web-Suchanfragen (Microsoft Learn)
AnStandardzustand der Websuche ohne gesetzte Richtlinie
7Punkte, die der DSK im AVV fehlten, Nov. 2022

Welchen Copilot meinst du überhaupt?

Die Verwirrung bei dieser Frage ist meist keine juristische, sondern eine der Namen. Microsoft verkauft mindestens sechs Dinge, die Copilot heißen, ihr Datenschutz unterscheidet sich, und 2026 hat Microsoft die zwei wichtigsten umbenannt: Microsoft 365 Copilot heißt jetzt Microsoft Copilot, Microsoft 365 Copilot Chat heißt jetzt Microsoft Copilot Chat. Lizenzen und Oberflächen zeigen während der Übergangszeit weiter die alten Namen, der Name in deinem Tenant ist also kein verlässliches Signal.

Kläre zuerst, in welcher Zeile du stehst. Zwischen der ersten und der letzten dreht sich die Antwort komplett.

VarianteAVV greiftTrainiert ModelleEU Data BoundaryFür Personendaten geeignet
Copilot (gratis, privates Konto) NeinMöglich Nein Nein
Copilot Pro (privates Abo) NeinMöglich Nein Nein
Microsoft Copilot Chat (Entra ID, gewerblich) Ja NeinJa, außer WebsucheJa, konfiguriert
Microsoft Copilot (ehem. M365-Copilot-Lizenz) Ja NeinJa, außer WebsucheJa, konfiguriert
Copilot Studio (selbstgebaute Agenten)Ja, für die Plattform NeinJe nach KonnektorenBewertung je Agent
GitHub CopilotEigene BedingungenJe nach PlanEigene BewertungEigene Bewertung

Die zwei Privatkunden-Zeilen sind die, die still Vorfälle verursachen. Wer copilot.microsoft.com mit einem privaten Konto öffnet oder die Copilot-Leiste in Edge nutzt, steht außerhalb aller gewerblichen Zusagen, die du unterschrieben hast. Ob das in deinem Unternehmen passiert, ist eine empirische Frage, keine Richtlinienfrage.

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Was gedeckt ist: Prompts, Antworten, deine Berechtigungen

Für die gewerblichen Zeilen ist das Bild ehrlich gesagt solide, und das gehört deutlich gesagt, weil die Alarmversion dieses Artikels nicht zutrifft. Laut Microsoft Learn tragen Prompts und Antworten dieselben vertraglichen Zusagen wie deine Mails in Exchange und deine Dateien in SharePoint: Verschlüsselung im Ruhezustand und bei der Übertragung, Mandantentrennung, DSGVO-Unterstützung, ISO/IEC 27018 und der AVV mit Microsoft als Auftragsverarbeiter. Copilot übernimmt dein Identitätsmodell, deine Berechtigungen, deine Vertraulichkeitsbezeichnungen und deine Aufbewahrungsregeln, und die Interaktionen sind auditierbar.

Die EU Data Boundary ist seit Februar 2025 vollständig umgesetzt, und die deutsche Aufsichtspraxis ist mitgegangen: die sieben Punkte, die die Datenschutzkonferenz im November 2022 gegen den AVV vorgebracht hat, sind weitgehend adressiert, wie dr-datenschutz.de darlegt. Prompts, Antworten und Graph-Daten werden außerdem nicht zum Training von Basismodellen verwendet.

Die Websuche-Lücke, in Microsofts eigenen Worten

Das ist der Teil, den fast kein Leitfaden zu dieser Frage klar benennt. Wenn Copilot entscheidet, dass Web-Informationen eine Antwort verbessern, formuliert es eine kurze Suchanfrage und schickt sie an den Bing-Suchdienst. Microsofts Dokumentation ist eindeutig, was das rechtlich bedeutet:

> The Microsoft Products and Services Data Protection Addendum (DPA) doesn't apply to the use of generated web search queries. Also, HIPAA compliance and the EU Data Boundary don't apply to generated search queries.

Und zur Rolle: Bing arbeitet getrennt von Microsoft 365, die Anfragen fallen unter das Microsoft-Services-Agreement zwischen dem einzelnen Nutzer und Microsoft, und Microsoft ist dort eigener Verantwortlicher, nicht dein Auftragsverarbeiter. Microsoft gibt in den Product Terms Zusagen dazu: die Anfragen verbessern Bing nicht, erzeugen keine Werbeprofile, gehen nicht an Werbetreibende, trainieren keine Modelle und gelten als vertraulich. Das ist echt, und es bleiben Zusagen eines Verantwortlichen statt deines AVV.

Der naheliegende Einwand: eine Suchanfrage aus drei Wörtern kann nicht viel tragen. Diesen Einwand beantwortet Microsoft selbst, in seiner eigenen Beispieltabelle. Eine Zeile lautet:

> Prompt: Who is my manager and what public information is available about them? — Generierte Suchanfrage: [Manager name]

Die Anfrage ist also nicht immer harmlos. Sie kann der Name einer konkreten Person sein, abgeleitet aus deinen Graph-Daten, verschickt außerhalb des AVV und außerhalb der EU Data Boundary. Die Anfrage kann außerdem vom Inhalt eines Dokuments beeinflusst sein, das der Nutzer offen hat oder ausdrücklich nennt. Microsoft schließt den vollständigen Prompt, ganze Dateien, ganze Webseiten und Entra-ID-Kennungen aus und entfernt Nutzer- und Mandantenkennungen vor dem Versand. Was übrig bleibt, ist in den Fällen, die einen Betriebsrat interessieren, trotzdem ein Personenbezug.

Innerhalb deines AVV und der EU Data Boundary

  • Prompts und Antworten

  • Microsoft-Graph-Daten hinter einer Antwort

  • Deine Berechtigungen, Labels und Aufbewahrungsregeln

  • Auditierbarkeit über Purview und eDiscovery

  • Kein Training auf deinen Daten

Außerhalb von beidem

  • Generierte Web-Suchanfragen an Bing

  • Microsoft als eigener Verantwortlicher, nicht Auftragsverarbeiter

  • Anthropic-Modelle, die in Copilot genutzt werden

  • Fremd-Agenten mit eigenen Bedingungen

  • Alles in einem privaten Copilot-Konto

Leicht zu überlesen und sehr konkret: Microsofts eigene Fußnote sagt, dass Anthropic-Modelle derzeit von der EU Data Boundary und, wo einschlägig, von Zusagen zur Verarbeitung im Land ausgenommen sind. Wenn in deinem Tenant Anthropic-Modelle in Copilot freigeschaltet wurden, ist das ein zweiter Weg aus der Boundary heraus, unabhängig von der Websuche.

Wie du die Websuche abschaltest, genau

Es gibt zwei Schalter, einen für Administratoren und einen für Nutzer, und der Standard wiegt schwerer als beide. Konfiguriert niemand die Administratorrichtlinie, ist die Websuche verfügbar. Microsofts US-Behördenclouds bekommen den sicheren Standard und haben sie aus, gewerbliche EU-Tenants nicht. Die fehlende Entscheidung ist hier also eine Entscheidung.

1

Cloud Policy service für Microsoft 365 öffnen

Die Einstellung liegt ausschließlich dort, nicht in der Copilot-Verwaltung, in die man zuerst schaut.

2

Die Richtlinie Allow web search in Copilot konfigurieren

Sie greift für Microsoft Copilot und Microsoft Copilot Chat und kann den ganzen Tenant oder einzelne Nutzergruppen adressieren.

3

Einen der drei Zustände bewusst wählen

Überall an, überall aus, oder aus im Arbeitsmodus, während Webmodus und Copilot Chat sie behalten. Die mittlere Variante wollen die meisten regulierten Bereiche.

4

Wissen, was die mittlere Variante kostet

Aus im Arbeitsmodus schaltet die Websuche auch in Researcher und Cowork ab. Entscheide das bewusst, statt es später zu entdecken.

5

Nicht stattdessen zu den optionalen verbundenen Erfahrungen greifen

Allow the use of additional optional connected experiences in Office auf deaktiviert stoppt die Websuche auch, beschneidet aber viele weitere Microsoft-365-Funktionen. Für diesen Nagel ist das ein Vorschlaghammer.

6

Nutzer auf ihren eigenen Schalter hinweisen

Erlaubt die Administration die Websuche, ist der Schalter Webinhalte je Nutzer standardmäßig an. Abschalten geht unter Einstellungen, Personalisierung, Erweitert, Websuche, und die Wahl bleibt geräteübergreifend erhalten.

7

Prüfen statt annehmen

Die Zitate der Web-Suchanfragen zeigen Nutzern die exakt verschickten Anfragen, und die Administration sieht sie neben Prompt und Antwort in Purview DSPM for AI oder per Audit und eDiscovery. Die Zitate leben 24 Stunden im Verlauf, die Protokolle nicht so kurz.

Brauchst du eine DSFA, und muss der Betriebsrat zustimmen?

Meist ja zu beidem, und das hängt nicht daran, wie gut Microsofts Verträge gelesen werden. Copilot greift im Namen einer Person über Postfächer, Chats und Dateiablagen, und genau dieses Profil führt die Datenschutzkonferenz als Fall, der eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO erfordert. Auslöser ist die Breite des Zugriffs und die Möglichkeit neuer Verarbeitung ohne klare Zweckbindung, nicht der Anbieter.

Die Mitbestimmung folgt derselben Tatsachenlage. In Deutschland greift § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG für technische Einrichtungen, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung geeignet sind, und ein Werkzeug, das zusammenfassen kann, wer was wann geschrieben hat, ist offenkundig geeignet. In Österreich ist das Pendant § 96a ArbVG. Unser Leitfaden zur Mitbestimmung und das Einführungs-Playbook gehen die Reihenfolge durch; die Kurzfassung ist, dass der Betriebsrat nach dem Piloten teurer ist als vor dem Piloten.

Prüfe deine KI-Governance vor der DSFA

Eine kostenlose Bewertung, die dasselbe Gelände abgeht wie eine Aufsichtsbehörde: Zugriffsumfang, Zweckbindung, Dokumentation, Löschung. Du bekommst die Lücken schriftlich.

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Das größere Risiko ist nicht der Vertrag, sondern deine Berechtigungen

Copilot respektiert deine Berechtigungen, was beruhigend klingt, bis auffällt, dass das eine Aussage über Copilot ist und keine über deine Berechtigungen. In den meisten Häusern haben SharePoint und OneDrive über Jahre großzügige Freigaben angesammelt, und wer eine Gehaltsliste theoretisch über die Suche hätte finden können, bekommt sie jetzt zusammengefasst serviert. Nichts wurde gebrochen, das Werkzeug hat vorhandene Überberechtigung bloß nutzbar gemacht.

Das ist keine DSGVO-Frage zu Microsoft, sondern eine Art-32-Frage zu dir, und es ist der Teil eines Copilot-Rollouts, der wirklich Zeit kostet. Wir haben ihn separat aufgeschrieben: Copilot Oversharing und das Berechtigungsproblem. Wer dieselbe Fläche aus Auditsicht will, findet sie in KI-Agent-Audit-Trail und RBAC.

Wenn die Antwort in deinem Fall nein ist

Es gibt Fälle, in denen die ehrliche Antwort lautet: Copilot passt nicht. Ein Betriebsrat, der ein überwachungsfähiges Werkzeug über alle Postfächer nicht akzeptiert. Eine Branche, die jeden Verarbeitungsschritt ohne Ausnahmen in der EU braucht. Oder ein Unternehmen, das die Microsoft-365-Lizenzierung gar nicht hat, auf der die gewerblichen Zusagen beruhen. Dann handelt die Frage nicht mehr von Microsoft, sondern von deiner Architektur: welches Wissen soll der Assistent sehen, wer entscheidet das, und wo läuft es.

Auf diesem Boden bauen wir Teamo AI, und es gibt den direkten Vergleich Teamo AI gegen Microsoft Copilot sowie das breitere Feld in Microsoft-Copilot-Alternativen. Wenn dein Treiber Datenresidenz statt Funktionen ist, ist europäische KI-Datensouveränität der bessere Einstieg, und der Vergleich der EU-ChatGPT-Alternativen stellt fünfzehn Optionen nebeneinander.

Die Kurzfassung

Die Kurzfassung. Gewerblicher Copilot ist für Prompts und Antworten DSGVO-fähig, mit AVV, ohne Modelltraining und mit der EU Data Boundary dahinter. Zwei Ausnahmen benennt Microsoft selbst: generierte Web-Suchanfragen, für die AVV und Boundary nicht gelten und Microsoft eigener Verantwortlicher ist, sowie Anthropic-Modelle, die derzeit außerhalb der Boundary liegen. Die Websuche ist verfügbar, solange die Administration nicht Allow web search in Copilot in der Cloud Policy setzt. Privatkunden-Copilot und Copilot Pro sind für Personendaten gar nicht geeignet. Eine DSFA nach Art. 35 und die Beteiligung des Betriebsrats nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG (in Österreich § 96a ArbVG) sind der Normalfall, nicht die Ausnahme. Und die Arbeit, die wirklich Zeit kostet, sind deine eigenen Berechtigungen, nicht Microsofts Vertrag.