Karriere Mythos Dienstzeugnis: Eine Personalistin packt aus

Schon mal davon gehört, dass es im Personalwesen wahrhaftige Verschwörungen gegen unliebsame Mitarbeiter gibt? Es sollen sogar Geheimsprachen für das Verfassen von Dienstzeugnissen existieren, die zukünftige Arbeitgeber vor solchen Mitarbeiter warnen.

Ertappt! Ihr seid uns auf die Schliche gekommen. Wir Personaler treffen uns einmal im Quartal am schwarzen Freitag und brüten über neue Geheimcodes, die nur wir kennen und mit denen wir uns darüber verständigen, ob ehemalige Mitarbeiter gute oder schlechte Leistungen erbracht haben. Natürlich!

Geheimcodes im Dienstzeugnis?

Hand aufs Herz. Nach meiner jahrelangen Erfahrung im Personalwesen kann ich es euch mit ruhigem Gewissen bestätigen: es gibt keine Geheimsprache oder spezielle Codes im Arbeitszeugnis.

Keine Ahnung wie lange diese Gerüchte schon kursieren, wir hätten unsere eigene Sprache und verwenden bei der Formulierung des Zeugnisses spezielle Geheimcodes. Und nein, es gibt auch kein Buch, welches nur Personalisten zugänglich ist, wo all diese Dinge festgehalten sind. Ich kann euch auch noch folgendes versichern: Auch im Studium lernt man keine Sprache bzw. keine geheimen Formulierungen. Tatsache ist: Geheimschriften im Dienstzeugnis sind wirklich nur ein Aberglaube.

Ursprung des Arbeitszeugnis-Mythos?

Fakt ist, dass es Arbeits- bzw. Dienstzeugnisse schon sehr lange gibt, nämlich bereits seit dem 16. Jahrhundert. Damals wurden die Aufgaben oder auch betreuten Kunden angeführt, und es diente bereits zu dieser Zeit als Arbeitsbescheinigung – was in dieser Zeit ohne E-Mails und Telefon, ja auch Sinn machte. Im Laufe der Zeit haben sich das Format und der Inhalt des Zeugnisses doch ein wenig gewandelt. Es ist jedenfalls länger geworden und ja, es gibt gewisse Standardformulierungen, die fast jedes Dienstzeugnis enthält.

Darüber hinaus hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf eine Urkunde, denn nichts Anderes ist ein Dienstzeugnis, in der Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses sowie die Art der Tätigkeit bescheinigt werden. Dazu kommt, dass Angaben und Anmerkungen, welche die Erlangung einer neuen Arbeitsstätte erschweren könnten, unzulässig sind (Quelle: WKO; 10/2016). Mehr formale Kriterien gibt es nicht. Diese stellen somit die rechtliche Ausgangsbasis dar.

Ein Dienstzeugnis, welches ausschließlich diese rein formalen Kriterien enthält, sagt somit schon sehr viel über den Arbeitnehmer aus. Dies ist bereits ein sehr deutliches Zeichen, dass irgendetwas schiefgelaufen sein muss. Bei allen Formulierungen die darüber hinausgehen, wie bspw. der Klassiker „zur vollsten/vollen Zufriedenheit“ etc. sagen nur bedingt etwas aus. Es gibt viele Unternehmen, die das Zeugnis von ihren Dienstnehmern (vor)formulieren lassen und setzen meist einfach ihre Unterschrift darunter, ohne es wirklich gelesen zu haben. Für manche ist es ein lästiges Muss, das nur unnötig Zeit und Geduld kostet, überhaupt, wenn man es mit dem Mitarbeiter diskutieren muss.

Stellenwert der Dienstzeugnisse und auf was kommt es wirklich an?

Aus meiner Sicht sind Dienstzeugnisse Bescheinigungen, die – wie schon erwähnt – ausgestellt werden müssen und keine negativen Aussagen treffen dürfen. Nichts anderes.

Ich persönlich lege bei der Personalauswahl nicht besonders großen Wert auf diese Zeugnisse, da sie für mich nicht so eine Aussagekraft haben, wie ihnen oft zugesagt wird. Sollten nach dem Bewerbungsgespräch für mich noch einige Unklarheiten übriggeblieben sein, so werfe ich zwar einen genaueren Blick darauf, in den meisten Fällen überfliege ich sie aber nur.

Deshalb nochmals: Nein, es gibt keinen Geheimbund der Personalisten, wo wir uns neue geheime Codes oder Sprachen ausdenken. Viel wichtiger als ein Dienstzeugnis, welches mit diesen Codes gespickt ist, ist die Präsentation im persönlichen Gespräch, wo ihr uns sowieso überzeugen müsst.

Autorin: Mag. Andrea König BA von King & Stars