Eine große Portion Fehlerkultur zum Mitnehmen, bitte!

Kommunikation, nein danke! Wenn Fehler vertuscht oder sofort sanktioniert werden, ohne daraus zu lernen.

„Das ist wahrscheinlich kulturell bedingt…“ – wir alle kennen diese Aussage, wenn es darum geht, Stereotypen zu untermauern oder (Fehl-)verhalten zu rechtfertigen. Viele davon sind auch in ihrem beruflichen Tun täglich mit einer bestimmten Kultur konfrontiert – oder eben auch nicht. Eine nicht vorhandene Fehlerkultur birgt das größte Konfliktpotenzial im Unternehmen. Fehler zuzulassen und zu akzeptieren gehören zu einem langen Lernprozess, der Unternehmen langfristig erfolgreicher sein lässt.

Wie sag ich‘s dem Chef…?

Der Arbeitstag ist vollgepumpt mit Besprechungen und Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Der enorme Druck, um das Projekt fertigzustellen, lässt nicht einmal mehr Pausen zu – vom Durchschnaufen keine Spur. Und dann passiert es: man vergisst einen wichtigen Kunden zurückzurufen, macht einen Fehler in der Budgetplanung oder verpatzt eine Präsentation vor einem neuen Auftraggeber. Wer kennt das nicht? Wir alle machen einmal einen Fehler, weil wir unkonzentriert, erschöpft oder überlastet sind. Doch dieser eine Fehler kann fatale Folgen haben. Bereits schnell merkt man, welche Ausprägungen die Unternehmenskultur hat. Ist man Sklave seiner selbst, wird einem genügend Wertschätzung gegenüber gebracht, sind passierte Fehler ein Schuss ins Abseits? Schnell einzuschätzen gilt, wie sag ich´s meinem Chef und wie komme ich da ohne Blessuren wieder raus?

Der Weg in die Höhle des Löwens

Ist der Fehler nun einmal passiert, gilt es sich professionell zu verhalten. Der Fehler ist nun da, wie ein Rotweinfleck auf einem Hemd, man sieht ihn, er hat Auswirkungen auf das Verhalten und die Situation muss gelöst werden. Die Lösung ist oftmals nicht sehr leicht. Der Fleck am Hemd entfernt sich schließlich auch nicht von alleine. Der erste wichtige Schritt ist das Vorsprechen beim Vorgesetzten, auch wenn es zugleich der schwierigste ist. Doch wenn der Chef vom Geschehenen weiß, ist man mit dem Problem nicht mehr alleine gelassen. Voraussetzung, damit das gelingt, ist natürlich eine offene Kommunikation. Man muss die Möglichkeit haben, Schwierigkeiten im Unternehmen anzusprechen. Ich werde jetzt einige enttäuschen, aber das ist mehr als die bloße Kommunikation vom bevorstehenden Urlaub oder dem Wetter am Wochenende. Doch was tun, wenn die Unternehmenskultur davon lebt, kleine Fehler totzuschweigen und große sofort zu sanktionieren? Was, wenn der Chef null Verständnis für ein Fehlverhalten hat und eigentlich nur die Dinge hören will, die in der Abteilung gut laufen?

Aus Fehlverhalten zu Lerneffekten

Was viele Unternehmen noch nicht verstanden haben, ist, dass Fehler, die unweigerlich passieren können, sogar einen positiven Effekt auf den einzelnen Mitarbeiter, die Abteilung oder sogar das gesamte Unternehmen haben können. Die wichtige Frage dabei lautet doch nur, wie das Unternehmen mit passierten Fehlern umgeht? Die Lösung liegt auf alle Fälle nicht darin, sie einfach stillschweigend in die letzte Schublade zu packen und die Schuldigen (die definieren Chefs ja oftmals selbst) an den Pranger zu stellen. Eine ausgeprägte Fehlerkultur gehört ebenso zum Tagesgeschäft wie das Aktensortieren oder die Kundenbetreuung. Wenn Mitarbeitern nicht verständlich gemacht wird, dass Fehler passieren können und man gemeinsam an einer Lösung arbeitet, werden diese Mitarbeiter auch nicht über den Tellerrand blicken. Einmal ganz ehrlich: wer probiert denn Neues aus oder lässt seiner Kreativität beim Arbeiten freien Raum, wenn man dafür jedes Mal beim Nicht-Funktionieren einer Idee eine auf den Deckel bekommt? Wer keine Fehler macht, kann nicht daraus lernen!

Potenziale durch positive Unternehmenskultur

Eine positive Unternehmens- bzw. Arbeitskultur fördert Mitarbeiter und dazu gehört eben auch eine positive Fehlerkultur. Nur wer Fehler machen darf, macht sie beim nächsten Mal nicht mehr. Zudem – auch wenn das jetzt etwas absurd klingt – steckt in Fehlern unglaublich viel Potenzial.  Innovative Ideen und kreative Versuche kommen nun vermehrt zum Vorschein, da man nun weiß, dass man Fehler machen kann und keine Angst mehr davor hat. Nur dadurch, dass dem Mitarbeiter Freiräume geschaffen werden, kann er seine Potenziale voll entfalten und eventuell zu Lösungsansätzen kommen, auf die er sonst vielleicht nie gekommen wäre. Natürlich muss einem bewusst sein, dass es Bereiche gibt, in denen kaum Fehler passieren dürfen (in einem Hochsicherheitsgefängnis ist die Fehlerkultur eher gering). Aber grundsätzlich gibt es überall „Fehlerräume“, wenn man sie auch nutzen darf. Von seitens des Mitarbeiters gilt, mögliche Fehler im Vorhinein miteinzuplanen und stets offen zu kommunizieren, Bedenken oder Schwierigkeiten im Meeting mit dem Chef ruhig anzusprechen. Fördere aktiv die Kommunikationskultur, dann förderst du sogleich die Unternehmenskultur.

Jeder macht mal Fehler!

Gelernt ist gelernt. Wer schon einmal Fehler eingestanden hat und bereit war daraus zu lernen, der stellt in Wahrheit ein riesen Potenzial für ein Unternehmen dar. Dieser Mitarbeiter hat nämlich gelernt, mit Fehlern auch umzugehen und zu wissen, wie er sich dabei selbst verhält. Im Grunde genommen trägt eine gelebte Fehlerkultur – die von oben nach unten im ähnlichen Maße gelebt wird – nicht nur zur Förderung der Arbeitskultur und somit gleichzeitig zur Kommunikation im Unternehmen bei, sondern ist eine Persönlichkeitsentwicklung in jeder Hinsicht. Und welches Unternehmen möchte nicht Mitarbeiter, die aus schwierigen Situationen lernen und Herausforderungen annehmen?